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K E N N E N T A T M I C H N I E M A N D M E H R I N L I N G E N . . .Erinnerungen an die Familie Hülster in Lingen |
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A U G U S T H Ü L S T E RDer Stammvater August Hülster kam 1820 nach Lingen. Anlaß war die Umwandlung der Lingener "Akademie", einer Hochschule calvinistischer Prägung, in ein staatliches Gymnasium. Die Regierung hatte damals festgelegt, dass eine der beiden zusätzlichen Lehrerstellen auf jeden Fall mit einem Katholiken besetzt werden sollte, um so die Attraktivität der neuen Bildungsanstalt für die Söhne der katholischen Bevölkerungsmehrheit zu erhöhen. Die Findung eines geeigneten Kandidaten gestaltete sich aber unerwartet schwierig. Da man die Stelle aber möglichst umgehend besetzen wollte fiel die Wahl schließlich auf den noch recht jungen Kandidaten August Hülster. Er stammte aus Osnabrück (*12.4.1798), hatte dort eine pädagogische Ausbildung am Gymnasium Carolinum absolviert und wurde nach einer Prüfung durch die Schulkommissare Heidekamp und Wolper auf die Stelle des 2. Collocators in Lingen berufen. Hier unterrichtete er die unteren Klassen in der lateinischen und der deutschen Sprache, Kalligraphie (Schönschrift) und Kopfrechnen, Geographie und Naturgeschichte sowie in katholische Regionslehre. Fast 50 Jahre war Hülster als Lehrer am Georgianum tätig und wurde schließlich 1867 mit der Beförderung zum Oberlehrer in den Ruhestand versetzt. Er starb am 10.3.1887 in Lingen, sein Grab befindet sich bis heute auf dem Alten Friedhof. |
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H E I R A T M I T T H E R E S I A E U G E N I E L O U I S E N O U R YKurz nach seiner Anstellung in Lingen heiratete August Hülster im Jahre 1823 Theresia Eugenie Louise Noury (* s'Heerenberg 10.5.1799, + Lingen 16.2.1880). Aus dieser Ehe ging die weitverzweigte Familie Hülster hervor. Merkwürdiger weise zog es gleich mehrere der Hülster-Kinder in die Niederlande. |
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T O C H T E R H E I R A T E T R E I C H E N K A U F M A N N P O T TDer Sohn Johann Heinrich August ging nach Amsterdam, um dort sein Glück zu machen. Er heiratete dort eine aus Köln stammende Deutsche, Anna Esser aus Köln. Ein Jahr später wurde der erste Sohn, Heinrich, geboren, doch Mutter und Kind starben schon bald darauf. Zwei Jahre später ging Johann Heinrich August in Amsterdam eine zweite Ehe ein mit der aus Neuss stammenden Catharina Bertha van Woringen. Der einzige Sohn aus dieser Ehe, Wilhelm August Hülster (* Amsterdam 29.5.1861) betrieb dort ein Photoatelier, aus dem noch verschiedene Aufnahmen in Familienalben der Verwandtschaft erhalten geblieben sind. Der Vater Johann Heinrich August Hülster ließ sich nach dem Tode seiner Frau (+ Amsterdam 23.5.1874) später als Handelsagent in Aachen nieder. |
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L E O H Ü L S T E R S T E I G T B I E R B R A U E R - D Y N A S T I E E I NDoch auch ihr Bruder Leo Hülster machte zunächst eine gute Partie. Er heiratete 1859 eine Eugenie Seipgens aus Roermond. Sie stammte aus einer vermögenden Bierbrauer-Dynastie in Roermond. Da ihr Bruder Emil Seipgens es vorzog, Schriftsteller zu werden, übernahm Leo Hülster den Brauereibetrieb seiner Schwiegereltern. Mit dem Geschäft ging es aber schon bald bergab und schließlich kam es zum Konkurs, der den Verlust des gesamten Vermögens nach sich zog. Vermutlich völlig mittellos zog die Familie in der Zeit um 1870 nach Groningen und waren später in Brüssel ansässig, wo Leo Hülster um 1879 im Alter von gerade 55 Jahren unter Hinterlassung von acht Kindern verstarb. |
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N E U N K I N D E R W E R D E N A U F D I E V E R W A N D T S C H A F T V E R T E I L TDie neun minderjährigen Kinder - das jüngste wurde erst nach dem Tod des Vaters geboren - fanden zunächst Aufnahme bei den hochbetagten Großeltern in Lingen. Sie verloren aber bald darauf 1882 auch noch die Mutter. Da die Großeltern für eine Erziehung der Kinder wohl schon zu alt waren wurden sämtliche Geschwister Hülster auf die Verwandschaft verteilt, wobei zwei der Söhne von den Verwandten in Lingen aufgenommen wurden, währende einige der Töchter offenbar zu den Verwandten nach Freren zogen. Sie heirateten später in die angesehenen Familien Kerkhoff und Schmidt in Lingen ein. |
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A U F A B E N T E U E R L I C H M R W E G N A C H O S T I N D I E NSein jüngerer Bruder Eugien (geb. 1872 in Groningen) sollte in die USA ausreisen und dort von einer Verwandten aufgenommen werden, die ihm auch das Geld für die Überfahrt schickte. Die Ausreise verzögerte sich aber immer wieder, da Emil noch nicht volljährig war und man ihn ohne Begleitung nicht ausreisen lassen wollte. Als er schließlich, insgesamt fast zwei Jahre verspätet, in Amerika ankam, erfuhr er dort, dass seine Verwandte mittlerweile verstorben war. |
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C H A R L E S H Ü L S T E R K E H R T 1 9 2 0 Z U R Ü C KCharles Hülster war in den 1920er Jahren nach seiner Pensionierung nach Europa zurückgekehrt. Da in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg die Wirtschaftskrise grassierte, ließ er sich in Belgien nieder und konnte dort von seiner holländischen Pension offenbar ganz gut leben. Er nutzte die Zeit zu längeren Reisen zu seiner ausgedehnten Verwandtschaft in Deutschland und kam so im Frühjahr 1928 auch nach Lingen. Dort überkamen ihn die Erinnerungen an seine Jugendzeit in Lingen, die damals schon über 50 Jahre zurücklag, und er verfaßte hierüber sowie über seine aktuellen Erlebnisse in Lingen einen längeren Brief, der in einer Abschrift überliefert ist: |
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M E I N E L I E B E N G E S C H W I S T E R U N D L I E B E T H E O D O R Elast mich Euch nun von meiner weiteren Reise erzählen. Acht Tage war ich in Lingen, im alten Hotel Hüvet, jetzt Hotel Heeger, als fast einziger Gast. Vom Bahnhof gehend erblickte ich zunächst wieder das Thor, das Haus wo man unten durchgehen muss, um in die Stadt zu kommen, und erinnerte mich, den selben Weg gegangen zu sein, als sechsjähriges Kind mit unserem Bruder August, mit Vater und Großvater. Alles links und rechts vom Wege war da nach Wiese. Wir kamen von Roermond, Großvater holte uns von der Bahn ab, und ich konnte nur nicht begreifen, wie Großvater so gar keine Notiz nahm von dem hölzernen Gewehrchen, das ich in der Hand trug, und das in meinen Kinderaugen doch durchaus keine bedeutungslose Waffe war. In Lingen wie in Freren sollte ich noch häufig an unseren lieben Bruder August erinnert werden. |
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Link zur Genealogie der Familie Hülster |
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