Im wirtschaftlichen Aufschwung

In den ersten Nachkriegsjahren war die Beseitigung der Wohnungsnot das größte Problem. Im Norden und Westen der Stadt entstanden neue Siedlungen. Allein in den Jahren 1948 - 1954 wurden 1.600 Wohnungseinheiten erstellt. Die Zahl der Einwohner stieg innerhalb von zwei Jahrzehnten fast auf das Doppelte (1945:13.632 Einw., 1965: 26.442 Einw.). Der Ausbau der städtischen Infrastruktur konnte mit dieser Entwicklung kaum Schritt halten. Nur mit Verzögerung und unter großen Schwierigkeiten konnten die erforderlichen Schulen, Straßen und öffentlichen Versorgungseinrichtungen gebaut werden, da die Steuerkraft der Stadt zu gering war.

Dabei hatte die wirtschaftliche Entwicklung durchaus vielversprechend begonnen. Bereits nach kurzer Zeit wurden im Eisenbahn- Ausbesserungswerk die Beschäftigtenzahlen der Vorkriegsjahre wieder erreicht. 1948 ließ sich die Deutsche Schachtbau- und Tiefbohrgesellschaft, eine Tochter der Salzgitter AG, in Lingen nieder. Mehrere mittelständische Betriebe wurden neu gegründet und erlebten eine rasche Aufwärtsentwicklung. 1956 zog die Bundeswehr in die ehemaligen Wehrmachtskasernen ein, Lingen war wieder Garnisonstadt.


Doch der wirtschaftliche Aufschwung hielt nicht an. Er stieß schon bald in dem nur 1.195 ha großen Stadtgebiet - im wörtlichen Sinn - an seine Grenzen. Da Gewerbeflächen fehlten, wanderten mehrere expandierende Betriebe in Umlandgemeinden ab. Die neue Erdölraffinerie Emsland entstand vor den Toren der Stadt im benachbarten Holthausen (Produktionsbeginn 1954). Hinzu kam, daß seit Beginn der fünfziger Jahre im Eisenbahn- Ausbesserungswerk die Belegschaft kontinuierlich verringert wurde.
Einen Ausweg aus dieser prekären Situation brachte der freiwillige Zusammenschluß mehrerer Umlandgemeinden mit der Stadt Lingen im Jahre 1969 sowie weitere Eingemeindungen im Rahmen der Gebietsreform von 1974. Das Stadtgebiet umfaßte nun eine Fläche von 15.836 ha mit 46.607 Einwohnern. Außerdem kam die Stadt als Bundesausbauort in den Genuß erheblicher Fördermittel. Zwar ging bei der Kreisreform 1977 der Kreissitz verloren, doch wurde Lingen als Ersatz der Status einer "Großen selbständigen Stadt" zuerkannt.


Die kommunale Neugliederung des Raumes Lingen und die Wirtschaftsförderung durch Land und Bund waren die Initialzündung zu einer deutlichen und nachhaltigen Verbesserung der finanziellen Situation der Stadt. Ausgedehnte Industrie- und Gewerbegebiete konnten ausgewiesen werden. Durch die Neuansiedlung von Betrieben entstanden zahlreiche neue Arbeitsplätze. Vor allem im Energiebereich erlangte Lingen überregionale Bedeutung. Als Nachfolger des 1968 bis 1979 betriebenen Kernkraftwerks Lingen entstanden seit den 70er Jahren drei Kraftwerksblöcke auf Erdgasbasis und das Kernkraftwerk Emsland, das 1988 ans Netz ging.
Dank der enormen Steigerung der Finanzkraft der Stadt konnten nun erhebliche Mittel zur Verbesserung der Infrastruktur eingesetzt werden. Im Vordergrund standen dabei die bislang zu kurz gekommenen Bereiche Stadtsanierung und Kultur, Sport und Freizeit. Lingens Innenstadt gewann unübersehbar an Attraktivität, der Erlebnis- und Freizeitwert der Stadt nahm deutlich zu.


In beiden Weltkriegen

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