In beiden Weltkriegen

Neben dem Ausbesserungswerk konnte sich im 19. Jahrhundert in Lingen kein weiteres großes Unternehmen entwickeln. Es entstanden jedoch mehrere kleinere verarbeitende Betriebe, die zusammen mit dem prosperierenden Handwerk und den verschiedenen staatlichen Behörden für zahlreiche Arbeitsplätze sorgten. Die Kreisstadt Lingen wurde zum wirtschaftlichen Zentrum des gesamten Emslandes. Uberregionale Bedeutung erlangte der Lingener Viehmarkt, auf dem sich in vierzehntägigem Turnus Viehhändler aus ganz Norddeutschland und Westfalen einfanden.


Die Jahre nach dem 1. Weltkrieg markieren einen deutlichen Einschnitt in der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung der Stadt. Die Zahl der Arbeitslosen war hoch, da es im Ausbesserungswerk mehrfach zu Massenentlassungen kam. Durch genossenschaftlichen Wohnungsbau versuchten die Stadtväter, die Wohnungsnot und die Arbeitslosigkeit zu lindern. Am 1. Juli 1927 wurde Lingen von einem Wirbelsturm heimgesucht, der innerhalb weniger Minuten großen Schaden anrichtete. Eine etwa 100 m breite Schneise der Verwüstung zog sich quer durch die Stadt.
Lingen war in der Weimarer Zeit die einzige Stadt im Emsland, in der die Arbeiterbewegung eine feste Basis hatte. SPD und KPD errangen bei den Kommunalwahlen stets achtbare Erfolge, konnten die solide Zentrumsmehrheit jedoch nicht gefährden. Die NSDAP blieb auch im März 1933 weit unter dem Reichsdurchschnitt.
Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde ein 25jähriger Medizinstudent zum Oberhaupt der Stadt ernannt. Lingen hatte damals den jüngsten Bürgermeister in ganz Deutschland. 1934 wurde Lingen wieder Garnisonstadt; zwischen Ems und Kanal entstanden im Stadtteil Reuschberge ausgedehnte Kasernenanlagen, die 1935 bezogen wurden. 1936 und 1937 errang der Lingener Autorennfahrer Bernd Rosemeyer seine größten Erfolge. Beim Versuch, seine im Vorjahr aufgestellten Weltrekorde zu verbessern, verunglückte er am 28. Januar 1938 tödlich. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 fiel die Lingener Synagoge der nationalsozialistischen Zerstörungswut zum Opfer.
Von den Auswirkungen des alliierten Luftkriegs blieb Lingen lange Zeit weitgehend verschont. Größere Schäden richteten die Angriffe am 21. Februar und 21. November 1944 an. Über 60 Bewohner der Stadt wurden dabei getötet. Anfang April 1945 setzten sich Wehrmachtseinheiten in Lingen fest, um die alliierten Truppen an der Überquerung von Ems und Dortmund- Ems- Kanal zu hindern. In der drei Tage lang heftig umkämpften Stadt wurden zahlreiche Gebäude stark beschädigt. 118 deutsche Soldaten und 27 Zivilpersonen fanden den Tod.


Im 18. Jahrhundert
Im wirtschaftlichen Aufschwung

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